Praxiseinblick · Karlshochschule
Augmented Intelligence: Kritisches Denken mit KI stärken

Künstliche Intelligenz verändert die Art und Weise, wie wir lernen, arbeiten und Entscheidungen treffen. Informationen lassen sich innerhalb weniger Sekunden aufbereiten, komplexe Fragestellungen analysieren und neue Perspektiven entwickeln.
Doch mit diesen Möglichkeiten gewinnt eine menschliche Fähigkeit zunehmend an Bedeutung: das kritische Denken.
Wie können wir KI nutzen, um unser eigenes Denken zu erweitern, statt es durch die Technologie zu ersetzen?
Genau mit dieser Fragestellung habe ich mich in drei interaktiven Lehrformaten an der Karlshochschule International University beschäftigt. Gemeinsam mit internationalen Studierenden, Lehrenden sowie Professorinnen und Professoren haben wir die Möglichkeiten und Grenzen der Zusammenarbeit zwischen Mensch und KI untersucht.
Think. Prompt. Think. - KI als kritischer Sparringspartner
Im Mittelpunkt stand das Konzept der Augmented Intelligence. Der Grundgedanke: Künstliche Intelligenz soll menschliche Fähigkeiten erweitern, nicht ersetzen.
Ein besonderer Schwerpunkt war der sokratische Dialog 2.0. Bereits der griechische Philosoph Sokrates nutzte gezielte Fragen, um Menschen zum kritischen Nachdenken anzuregen und bestehende Annahmen zu hinterfragen.
Genau dieses Prinzip lässt sich heute mithilfe von KI aufgreifen. Statt ausschließlich schnelle Antworten zu liefern, kann ChatGPT als kritischer Sparringspartner eingesetzt werden, der Gegenargumente entwickelt, blinde Flecken aufzeigt und alternative Perspektiven eröffnet.
Der Ansatz Think. Prompt. Think. verdeutlicht dabei eine wichtige Rollenverteilung: Zuerst denken wir selbst, nutzen anschließend KI für neue Impulse und bewerten die Ergebnisse abschließend mit unserem eigenen Urteilsvermögen.
Drei Formate, ein gemeinsamer Ansatz
Im Rahmen der Zusammenarbeit durfte ich drei unterschiedliche Lehrformate gestalten:
01
Ethics and Practice
KI in der Unternehmenspraxis
In einem interaktiven Seminar bearbeiteten internationale Studierende drei konkrete Herausforderungen aus der Unternehmenswelt. Dazu gehörten die Einführung eines CRM-Systems, die Entwicklung einer KI-Strategie für mittelständische Unternehmen sowie die Gestaltung eines inklusiven KI-Trainingsprogramms.
Im Mittelpunkt stand die Frage, wie KI strategische Entscheidungen unterstützen kann und warum die Verantwortung für deren Bewertung beim Menschen bleiben muss.
02
Tag der Lehre
Active Prompting und kritisches Denken
Gemeinsam mit internationalen Lehrenden sowie Professorinnen und Professoren haben wir untersucht, wie KI das kritische Denken in der Hochschullehre verändert.
Ausgangspunkt war die Frage, welche einzigartigen menschlichen Fähigkeiten keine KI ersetzen kann. Die Teilnehmenden nutzten KI, um ihre eigenen Antworten kritisch zu hinterfragen, und brachten die Ergebnisse anschließend zurück in den persönlichen Dialog.
03
KI-Zertifikatskurs
KI-Kompetenzen für die Arbeitswelt
Gemeinsam mit Prof. Sasanka Potluri gestaltete ich den Auftakt eines KI-Zertifikatskurses für internationale Studierende.
In einer praxisorientierten Fallstudie entwickelten die Teilnehmenden mithilfe verschiedener KI-Anwendungen eine Führungsstrategie zur generationsübergreifenden Zusammenarbeit. Anschließend reflektierten sie, wie KI ihre Lösungsansätze und ihr eigenes Denken beeinflusst hatte.

Was bedeutet das für die Führungspraxis?
Die drei Formate zeigten aus unterschiedlichen Perspektiven, welches Potenzial in der bewussten Zusammenarbeit zwischen Mensch und KI liegt.
Entscheidend ist nicht allein die Fähigkeit, präzise KI-Anweisungen zu formulieren. Genauso wichtig ist es, Ergebnisse kritisch einzuordnen, unterschiedliche Perspektiven zu berücksichtigen und eigene Annahmen zu hinterfragen.
Die zentrale Erkenntnis: KI kann unser Denken erweitern, aber nicht unsere Verantwortung übernehmen. Gerade deshalb gewinnen kritische Reflexion, Urteilskraft und die Fähigkeit, kluge Fragen zu stellen, zunehmend an Bedeutung. Kompetenzen, die auch für die Führung im KI-Zeitalter unverzichtbar sind.
Referenz · Karlshochschule
Das Seminar mit Eric Neuheiser war eine spannende Reise in die Welt der “Augmented Intelligence” – einer Zusammenarbeit von Menschen und Künstlicher Intelligenz (KI), die unterstützt und nicht ersetzt.
Besonders der “Sokratische Dialog 2.0”, bei dem KI als interaktiver Dialogpartner eingesetzt wurde, eröffnete uns neue Möglichkeiten für kritisches Denken und zur Selbstreflexion. Es war beeindruckend zu erleben, wie KI die Führungsarbeit und die persönliche Entwicklung fördern kann. Dieser Workshop zeigte uns die Grenzen und die vielseitigen Einsatzmöglichkeiten von KI auf äußerst praxisnahe Weise.
Prof. Dr. Wendelin Küpers
Professor Leadership & Organization, Karlshochschule
Socrates 2.0 Learning Augmented Intelligence
In today’s rapidly advancing technological landscape, Artificial Intelligence (AI) has emerged as a powerful force that is transforming the life of individual, groups, organisations and entire economies and societies. Can AI serve as a modern-day Socrates, being a new kind of wisdom and guidance for humanity? What role might it play in and for schools and universities? What are the ethical status and implications of AI?
In a seminar on ‘Ethics in Practice’ at Karlshochschule we have had a seminar with Eric Neuheiser, an expert in the field of using AI practically. Attending this workshop with him was a truly fascinating experience of realising how AI can serve as a new form of interactive learning via a Socratic dialog 2.0 for uncovering truth but also knowing about what we do not know.
Through his expert guidance, he opened our eyes to the world of AI and what he calls augmented intelligence. According to Neuheiser, augmented intelligence is the idea of using AI to enhance human intelligence and decision-making, rather than replacing it. In other words, it is the collaboration between humans and AI, where AI acts as a tool to assist humans in their pursuit of knowledge and wisdom. This concept is similar to the role of Socrates, who believed in the process of questioning and self-reflection to attain true knowledge. One of the key roles of Socrates was to challenge people’s thinking and beliefs through critical questioning. Similarly, AI also has the ability to challenge our assumptions and biases, enabling us to think critically and make more informed decisions as well as facilitate discourse and communication. With practical illustration we learned how AI can analyze different perspectives and offer solutions that consider various viewpoints, promoting not only self-improvement but also a more collaborative and inclusive orientation.
We also realised that AI is not infallible as makes mistakes and has limitations, calling us for remain in control and use our critical thinking abilities to evaluate the insights provided.
The seminar and workshop truly augmented the realities of all students, as we were introduced to new ideas and understandings of the possibilities and limitations of AI as a powerful tool for personal(ised) and professional growth.
It was impressive to see how AI can be used to make leadership smarter, and the discussions on ethical issues were so enriching. The hands-on exercises and tasks provided us with an intriguing experience, and we were amazed at how easy it was to switch with these devices to a different language.
The discussions and perspectives shared during the workshop were extremely valuable in broadening our understanding of AI. Learning how to tailor and program AI to be a virtual assistant, with a focus on positive psychology and systemic consultancy and coaching, was another highlight of the workshop.
We were all left hoping that Eric Neuheiser would return and continue to share his expertise in this most exciting venture.
Overall, the workshop truly highlighted the potential of AI as augmented intelligence and what it can achieve while also reflecting the limitations and ethical issues and challenges of it.
Prof. Dr. Wendelin Küpers
Professor of Organisation and Leadership Studies
Karlshochschule International University
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